Mehr als nur Ruhestätte

Im Kirchenkreis Verden liegt die Verantwortung für 23 Friedhöfe mit rund 44.000 Grabstellen in der Hand der Kirchengemeinden.

Bestattung als Gemeinschaftsaufgabe

Ein Grab ist mehr als nur die Ruhestätte für die Toten. es ist der Ort, an den Angehörige kommen um zu gedenken, still für sich zu sein oder Zwiesprache mit dem verstorbenen zu halten. Friedhöfe sind auch Stätten der Verkündigung des Glaubens, sie mahnen zum Bedenken des eigenen Todes, sie vermitteln Trost und Hoffnung. Schon die Christen der ersten Generationen haben die Bestattung als Gemeinschaftsaufgabe übernommen. Heute sind alle Kirchengemeinden bestrebt, eine Friedhofskultur zu pflegen, die auf Traditionen Rücksicht nimmt und sich gegenwärtigen Anforderungen nicht verschließt. Dabei kommen sie gelegentlich in die Spannung zwischen individuellen Wünschen und einem öffentlichen Interesse.

Alte und neue Erinnerungsorte

Mit dem Anlegen von Urnenfeldern oder Gemeinschaftsgräbern, mit Grabflächen für Tot- und Fehlgeburten oder entsprechenden Gedenksteinen wird an verschiedenen Orten auf neue Bedürfnisse von Trauernden und Hinterbliebenen reagiert. Bleibende Aufmerksamkeit haben die uns überkommenen Erinnerungsmale an Kriegstote und -vermisste. Mit neuem Bewusstsein für Verstorbene und Getötete der Vergangenheit werden Plätze der Trauer und des Gedenkens an Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder errichtet und gepflegt.

Den Namen festhalten

Vieles in der Friedhofskultur ist im Wandel. Das Bewusstsein für die Bedeutung einer Trauer- und Erinnerungskultur steigt. Auf der anderen Seite gibt es aber auch immer wieder den Wunsch nach sogenannten "anonymen" Bestattungsformen. Die Kirche steht einem ort- und namenlosen Begräbnis ablehnend gegenüber. Der eine Grund ist die seelsorgerliche Erfahrung: Viele Hinterbliebene, die einer anonymen Bestattung zugestimmt haben, geraten in Kummer und Verzweiflung darüber, dass sie keinen konkreten Ort haben, wohin sie in Trauer und Gedenken gehen oder einen Blumenschmuck niederlegen können. Zum anderen ist es ein wesentlicher Teil des christlichen Glaubens, dass wir vor Gott keine anonymen Wesen sind, sondern unverwechselbare Personen. Zu uns gehört ein Name. "Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind", schreibt der Evangelist Lukas und bringt damit die besondere persönliche Beziehung Gottes zu uns zum Ausdruck. Mit dem Festhalten des Namens auch nach dem Tod wollen wir deutlich machen, dass es nicht der grüne Rasen ist, der letztlich bleibt, sondern Gottes namentliches Gedenken an uns über den Tod hinaus.

Neue Friedhofskultur auf dem Waldfriedhof in Verden

Die Verdener Dom-Gemeinde hat den Waldfriedhof an der Lindhooper Straße in den vergangenen Jahren zum Ort einer vielgestaltigen Friedhofskultur entwickelt. Ein Krematorium befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Friedhofskapelle und zum Gräberfeld. In einem Beratungszentrum stehen zwei Mitarbeiterinnen für alle Fragen rund um den Friedhof zur Verfügung. Neben den schon länger existierenden Urnenfeldern finden sich auf dem Waldfriedhof mittlerweile auch sogenannte Oktogone - achteckige, mit jeweils einem Baum und diversen blühenden Bodendeckern versehene Beete, die zum Blickfang inmitten der anderen Gräber werden. Die Achtecke können 16 bis 24 Urnen aufnehmen und sind nicht so groß wie andere Gemeinschaftsgräber. Die Namen der Verstorbenen finden sich auf runden Metallplättchen, eingelassen in die Graniteinfassungen der Oktogone.

Ein rund einhundert Quadratmeter großes Gräberfeld auf dem Waldfriedhof ist für die sterblichen Überreste von Fehl- und Frühgeburten reserviert. Damit haben Eltern einen Ort, an dem sie trauern und Erinnerungen niederlegen können.

Der 2010 eröffnete "Wald der Stille" bietet innerhalb des geschützten Friedhofbereichs die Möglichkeit zur Urnenbestattung in einem naturbelassenen Wald.