Eindrücke

Es ist für beide Seiten wichtig, von einander zu erfahren, von einander zu lernen und sich persönlich zu begegnen, und das geschieht durch die wechselseitigen Besuche von Delegationen. Wer an einer solchen teilnehmen konnte, kehrt reich an Erfahrungen und Eindrücken zurück.

Die Delegierten nehmen am täglichen Leben in ihrer Partnergemeinde teil und treffen sich mit verschiedenen Gruppen zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Wichtig sind bei diesen Besuchen aber auch die gemeinsamen Gottesdienste.

Tradition und Gastfreundschaft

Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Familien zwischen jung und alt ist sehr groß. Sie leben oft mit mehreren Generationen zusammen und haben teil an Leid und Freud. Überwältigend ist, trotz großer Armut, die Herzlichkeit und die große Gastfreundschaft, immer wurden wir mit offenen Armen und vor allem singend und tanzend begrüßt, oft nicht nur von der gastgebenden Familie, sondern auch von Verwandten und Nachbarn.

Eine Tradition hat sich bis in die heutige Zeit gehalten, die uns bei den Mahlzeiten in fast allen Familien begegnete: Während des Essens saßen wir als Gäste mit dem Familienoberhaupt und den anderen männlichen Gästen am Tisch, während die Frauen und Kinder in der Küche oder auch draußen ihr Essen einnahmen. Die Hausfrau deckte den Tisch, sprach das Tischgebet und zog sich dann zurück.

Alltag in Südafrika

Grund- und ein Hauptnahrungsmittel sind der Maisbrei und Reis, dazu gibt's Hühner- und Rindfleisch. Frische Salate aus Karotten, Kraut, Roten Beeten und Kürbisgemüse gehörten zu unseren Mahlzeiten dazu und oft ein sehr süßer Nachtisch, aber es ist unwahrscheinlich, dass das Essen im alltäglichen Leben genau so vielfältig ist.

Einkaufsmöglichkeiten gibt es in den Städten, in den kleinen Dörfern findet sich selten ein Geschäft. Dort sieht man eher Straßenhändler mit diversen Warenangeboten und sie verkaufen ihre Ware auch in sehr kleinen Mengen oder auch einzeln aus den Großpackungen heraus.

Der Tagesablauf wird bestimmt durch die Tageszeit. Das Tagewerk beginnt mit dem Hellwerden früh um 6 Uhr und endet meistens abends um 18 Uhr, wenn die Nacht plötzlich hereinbricht. In vielen Familien wird der Tag noch mit einer gemeinsamen Andacht beendet.

Viele Frauen leben mit ihren Kindern allein in den Dörfern, da die Männer in den großen Städten wie Durban oder Johannesburg arbeiten. Sie kommen, wenn überhaupt, nur selten nach Hause, schicken manchmal kein Geld an die Familie, leben z.T. mit anderen Frauen, so dass die zurückgebliebene Familie auf sich gestellt ist. In den Antragsformularen für Patenkinder oder Stipendiaten steht dann „n. a.“ – not available, nicht verfügbar, aber noch häufiger „passed away“ – verstorben.

Eines der großen Probleme ist die Arbeitslosigkeit, die weiter zunimmt, so dass die Familien zum Teil nicht wissen, wovon sie leben sollen. Oft muss die nicht sehr hohe Rente der Großmütter und ein geringes Kindergeld für eine sehr große Familie reichen.

Gottesdienste und Beerdigungen

Gottesdienste haben einen hohen Stellenwert in den Gemeinden; fast alle Gemeindemitglieder kommen jeden Sonntag. Der Gottesdienstordnung ist unserer ähnlich, aber es werden andere Akzente gesetzt. Ministranten und Prediger sind farbenfroh gekleidet, es wird viel mehr, lebhafter und fröhlicher gesungen, es wird getanzt, und das dauert natürlich viel länger als nur eine Stunde!

Genauso wichtig wie der sonntägliche Gottesdienst ist auch die Teilnahme an einer Beerdigung. Wer den Toten gekannt hat, nimmt von ihm Abschied, und oft sind es zwei- bis dreihundert Menschen, die zusammenkommen. Nicht nur der Pastor der eigenen Gemeinde, der auch die kirchliche Trauerfeier leitet, ist anwesend, sondern auch die von anderen Glaubensrichtungen. Im Anschluss an die Trauerfeier hat jeder, der das Bedürfnis hat, die Möglichkeit, Worte an die Familie zu richten oder über den Verstorbenen zu sprechen, und die Trauergemeinde ist zwischendurch zum gemeinsamen Singen aufgefordert. Trotz großer Trauer herrscht eine hoffnungsvolle, fast fröhliche Stimmung.

Wenn der Tote der Erde übergeben worden ist, werden alle Trauergäste bewirtet. Und auch wenn Verwandte und Freunde unterstützen und helfen, sind viele Familien durch solche Beerdigungen hoch verschuldet. Aber „große“ Beerdigungen sind eine alte Zulu-Tradition; zum einen symbolisieren sie das Ansehen des Verstorbenen, zum anderen wird der Verstorbene als „Ahne“ kaum denen Böses wollen, die von ihm Abschied genommen haben.

Wer solche Gottesdienste miterlebt hat, kann sehr gut die Fragen unserer Partner verstehen, wenn sie uns besuchen: Ihr habt doch so viele Gemeindemitglieder, wo sind eure Leute? Warum seid ihr so ernst in den Gottesdiensten? Wer glaubt, muss doch fröhlich sein!

Straßenverkauf
Straßenverkauf mit diversen Warenangeboten
Kochen für eine Beerdigung
Kochen für eine Beerdigung
Zulu-Frauen im Gottesdienst
Zulu-Frauen - Gottesdienste haben einen hohen Stellenwert in den Gemeinden.
Einzug der Ministranten
Ministranten und Prediger sind farbenfroh gekleidet, es wird viel mehr, lebhafter und fröhlicher gesungen - und es wird getanzt!
Geschmückter Sarg
Geschmückter Sarg - trotz großer Trauer herrscht eine hoffnungsvolle, fast fröhliche Stimmung